Philosophie

Wir fragen uns oft im Leben warum etwas passiert. Was habe ich getan, dass es mir passiert oder mich trifft? Was habe ich falsch gemacht? Womit habe ich es verdient? Ich glaube, dass jeder von uns sich diese Fragen ziemlich oft stellt, vor allem, wenn etwas nicht so läuft, wie erwartet oder geplant. Das führt schnell zum Leiden. Wir sind enttäuscht, verärgert, traurig und suchen nach den Ursachen in allen möglichen Umständen, bei anderen Leuten, aber selten bei uns selbst. Wenn man aber ganz genau hinguckt und zurückblickt, zum Ursprung, wie alles begonnen hat, wie die Umstände waren, aus welchen Gründen wir welche Entscheidungen getroffen haben, welche Absichten dahintersteckten, dann merkt man, dass die Ursachen unseres Leidens ein Ergebnis unserer Taten und Handlungen sind. Mit dem was wir tun und wie wir es tun, schlagen wir einen bestimmten Weg ein und am Ende bekommen wir auch als Ergebnis, was wir reingesteckt haben.

Yoga bedeutet Einheit, Harmonie, Vereinigung, Verbindung von Körper, Geist und Seele. Es soll uns dazu bringen im Hier und Jetzt zu sein mit all unseren Sinnen. In „Das Yogasutra“ von Patanjali steht: „atha yoga-anusasanam“ (Yoga ist hier und jetzt) – nicht in der Vergangenheit und nicht in der Zukunft. Patanjali schreibt auch: „yogah cittavrtti nirodhah“ (Yoga fängt da an, wo man aufhört sich mit dem Gedankenwirbel zu identifizieren).  Die Gedanken sind immer da (ungefähr 60.000 pro Tag), aber sie zu ignorieren, vorbei ziehen zu lassen, nicht zu erlauben, dass sie die Kontrolle über uns übernehmen, ist die Kunst, um im Hier und Jetzt zu leben. Voller Fokus und Konzentration auf das, was gerade passiert, nicht bereits 3 Schritte im Voraus zu sein, ständig Pläne zu machen oder über die Vergangenheit zu grübeln. Die Yoga Praxis soll uns dabei helfen zurück ins Hier und Jetzt zu kommen, die Atmung zu spüren, den Körper zu fühlen und alles andere loszulassen.

Auf dem Yoga Weg trifft man aber auf einige Hindernisse, die die Erreichung der inneren Balance unmöglich machen.

Einer davon ist übermäßiges Essen. Laut Swami Sivananda von Rishikesh und vielen anderen Yogis soll der Bauch zur Hälfte mit Essen, ein Viertel mit Wasser und ein Viertel mit Luft gefüllt werden. Zu viel Essen im Magen erzeugt Trägheit und Müdigkeit von Geist und Körper.

Das zweite Hindernis ist Überanstrengung. Man soll jegliche physische und psychische Anstrengung vermeiden, die unsere Energie vergeudet. Die Energie, die wir haben bzw. durch die Yogapraxis aufbauen, soll man dazu nutzen, um die innere Balance zu erreichen, und nicht für Sachen verschwenden, die uns eher davon abbringen.

Als drittes Hindernis wird Geschwätzigkeit genannt. Zu viel reden verschwendet Energie und Zeit, die anders genutzt werden könnten. Geschwätzigkeit lenkt uns sehr gut von eigenen Problemen und den eigentlichen Themen, mit denen wir uns beschäftigen sollten, ab und beeinflusst uns oft negativ.

Als viertes Hindernis ist Einhaltung von Regeln genannt. Ein Yogi soll zwar die Anweisungen von seinem Guru befolgen, aber ansonsten soll er sich keinen vorgeschriebenen Regeln einordnen. Er soll immer flexible bleiben und die sich verändernde Umstände einfach so nehmen, wie sie kommen. Ein offener Geist erleichtert es die innere Balance zu erreichen, wenn man sich nicht über jede Kleinigkeit oder Veränderung/Abweichung der Gewohnheit ärgert. Man nimmt das Leben, wie es kommt und versucht seine Praxis so auszurichten, dass sie mit den gerade vorhandenen Umständen stimmig ist.

Als letztes Hindernis auf dem Yoga Weg wird Instabilität, Unbeständigkeit, Unregelmäßigkeit genannt. Wenn man ein unregelmäßiges Leben führt, dann kann man auch keine innere Balance finden. Jeder Tag muss nicht 100% gleich ablaufen, aber bestimmte Aktivitäten, wie Aufstehen, Morgenroutine, ins Bett gehen, Mahlzeiten, sollten einen bestimmten Rhythmus haben. So wissen der Körper und der Geist worauf sie sich vorbereiten sollen und können die äußeren Veränderungen besser ausgleichen. Yoga Praxis sollte einen festen Platz im Alltag haben, wie eben Mittagessen oder Duschen, da man so eine regelmäßige, beständige Praxis entwickelt, die zur inneren Balance führt.

Es ist nicht einfach in der heutigen Zeit, den oben genannten Hindernissen auszuweichen. Aber so ist die Yoga Praxis unserer Zeit: trotz der Umstände und der Hindernisse bei sich zu bleiben, sein eigenes Ziel vor Augen zu haben und sich nicht davon abbringen zu lassen. Das ist die Kunst und der Weg, der zur Erleuchtung führt, wenn wir versuchen die Hindernisse zu vermeiden und uns auf unseren spirituellen Weg konzentrieren.